100. Geburtstag von HAP Grieshaber Achalm Reutlingen Stuttgart Karlsruhe Margarete Hannsmann Stuttgart Grieshaber 100 Karlsruhe Zum 100. Geburtstag von HAP Grieshaber Achalm Reutlingen Stuttgart Karlsruhe Margarete Hannsmann Stuttgart Grieshaber 100 Karlsruhe Böll Kapr Pablo Neruda Gerold Gründer und Verleger FR Frankfurter Rundschau  Graham Greene Sir Hugh Carlton Greene Standford Ehrensperger

           

 

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n   Margarete Hannsmann  zum 88. Geburtstag am 10.2.2009   Unter Mithilfe von H.R.Hiegel und archEtrans

 

Zum 100. Geburtstag von HAP Grieshaber

Das Dichterhaus

Roman. Erzählung. Tagebuch & Margarete Hannsmann

 

 

 

Signieren für „Grob, fein & göttlich“                   Grieshabers Depression: NPD-Chef Mußgnug, MdL,    

Margot Fürst assistiert                                           gewinnt Prozess um die Professorenrente

                                                                              Grieshabers für die von ihren Schwestern

                                                                              betrogene Lena Krieg (Grieshaber)

 

Tagebuch  Montag, 02. Februar 2009

 

Prof. Dr. Gesine Schwan, Koordinatorin für die deutsch-polnische Zusammenarbeit der Bundesregierung,  im Gespräch mit Cornelius Hannsmann, artinform, über politische Thesen Grieshabers.

Foto: H.R.Hiegel, mens architecturae

 

Eine Frage, die ins Auge ging.

 

Vor fünfhunder Jahren berührt der Jesusknabe ein Geldstück in einem Münzkorb

Das christliche Zinsverbot fällt damit.

Die Wirtschaft macht angeblich einen grossen Sprung vorwärts, damals.

Heute wird an der Universität Strasbourg islamisches Banking gelehrt. Die Moslembanken sind der Weltwirtschaftskrise ohne Sturz in den Abgrund davongekommen.

Die „68er“ machten ein „Fass“ auf, als sie die Diskussion über die Grundbesitzverhältnisse in der Bundesrepublik eröffneten. Längst schon konnte sich ein westlicher Werktätiger mit seiner Lebensleistung entweder das Grundstück oder das Häuschen leisten (in Stuttgart und Reutlingen z.B.). 

Im SDS, im SHB, bei den „Jusos“, ja, auch bei den Liberalen vom LSD und natürlich in den republikanischen Clubs zwischen Tübingen und Stuttgart stand diese Diskussion auf der Tagesordnung. Grieshaber schuf dafür die heute als „so schön“ empfundenen Plakate, weil ihnen der präzise politische Kontext heute fehlt.

Die „Vergitterung“ der Schwäbischen Alp als Zersiedelung war Grieshabers memento.

Gesine Schwan war in jener Zeit Jungprofessorin für den Vergleich der Partei-Jugendorganisationen in Ost und West bezüglich sozialistischer Vorstellungen.

Beim Jahresempfang 2009 der Grünen fragte ich sie: Wenn es so ist, dass ein Geldgeber Zinszahlungen erhält, weil er über das Kapital für eine gewisse Zeit nicht selbst verfügt, und wenn der Kreditnehmer das Rückzahlungsrisiko mit Sicherheiten in Form von Grundstücken gewährleisten will, dann ist der Schuldner doch an der spekulativen Werterhöhung des Bodens interessiert. Er möchte schliesslich noch mehr Kredite für seine Flächen herausschlagen. Im umgekehrten Fall – der Kredit wird notleidend – ist der Gläubiger doch an einem noch grösseren „Kuchen“, sprich an zusätzlichen Liegenschaften, interessiert, die Spekulation in die umgekehrte Richtung.

Soll in jedem Jahrhundert das Wirtschaftssystem aus solchen Gründen auch in Zukunft zusammenbrechen, oder muss das gesamte Bodenrecht geändert werden?

Gesine Schwan will mir nach der Präsidentschaftswahl vielleicht antworten.

 

 

Tagebuch  Freitag, 13. Februar 2009

 

Frauen

 

 

 

Vorschau

 

Zwei Freundinnen: Lena und Lydia. Grieshaber trifft Jutta.

 

Grieshaber und seine erste Frau Lena; neue und alte Zeitungen; das 6-Millionen-Erbe geht an die NPD; die Bergung der Briefe an Lena und die Grieshaber-Bibliothek in Reutlingen; die „Traube Post“ in Eningen: Hundert Jahre mit Jagdstube und Dichterzimmer im Besitz der Familie meiner Großmutter Lydia Batzlen; Grieshaber richtet ihr Zimmer in der „Hansegis-Reute“ in Heidenheim mit Holzschnitten ein; Jutta sieht die Bilder zu „Grob, fein & göttlich“ bei meiner Ausstellung in der Galerie im Alten Haus in Heidenheim, und Ingrid Götz-Laquaie-Funck schaltet mich aus: Das erste Zusammentreffen findet im Privathaus statt, während M. ihre Mutter in der „Hansegis-Reute“ besucht.

 

 

Was für ein merkwürdiges Zusammentreffen! Die Koinzidenz als eine Art von Wunder. Dabei will ich nicht Sinnfälligkeiten offenlegen. Lena staubt die Tannen ab und sagt in Reutlingen: „Jeder Geschlechtsverkehr ist ein Kind für Hitler“ – mit dem Unterton, daß sie Hitler verabscheut. Deshalb ließ die Gestapo sie verschwinden.

Meine Schwester, langjährige Brieffreundin von HAP, springt von der höchsten Münchener Brücke und hinterläßt zwei gerade erwachsene Kinder und zwei Kleinkinder. Meine Mutter und ich werden zehn Jahre lang darüber vom Schwiegersohn (Arzt) belogen. Es hat ja so viele Versuche zuvor gegeben, sie endeten in „Haar“- auch Jutta schied bekanntlich aus dem Leben, wie ihre zweite gute Freundin, die Malerin und Einrahmerin und spätere zweite Frau von Lothar Quinte mir sogleich sagte.

Anläßlich der „Blauen Karawane“ stellte ich die frischgedruckten Holzschnitte zum Psychiatrie-Engel in der Landesklinik Wiesloch, dann, zum 80. Geburtstag von M. im Kunstverein Südliche Bergstraße/Kraichgau in Wiesloch aus. Alle Handabzüge habe ich an das Prinzhormuseum in Heidelberg abgegeben, wo sie neben Stöhrers grosse Arbeit zum selben Themenbereich hängen sollten.

Was ist aber mit den Frauen, die als Autorinnen und Bildende Künstlerinnen mit Grieshaber Kontakt hatten, oder soll ich mich an die Frau Wilhelm Schnarrenbergers erinnern, die jeden Morgen ihre beiden Männer in die Akademie begleitete, wo Grieshaber einen Ur-Pan-Schrei durch die Flure stieß, so daß der Verwaltungsleiter vom Stuhl viel. So machte er sich täglich Mut für seine berühmt werdenden Studenten. Und was ist mit den transkribierten Briefen, die ich über meine Lebensgefährtin aus den Händen der Witwe eines Chemieordinarius der Universität Karlsruhe bekommen hatte? Oder mit der „Maria mit dem Kind“ aus dem Osten? Dieses Schlüsselloch ist immer noch zu klein.

 

 

Tagebuch  Samtag, 14. Februar 2009

 

Eine Biographie

 

Stationen

 

          1909    Helmut Andreas Paul (HAP) wird am 15. Februar in Rot

                      an der Rot (Oberschwaben) als Sohn eines Landver­messers geboren

1915-1926     Schulbesuch in Nagold und Reutlingen (Unterprima)

1926-1928     Schriftsetzerlehre in Reutlingen und gleichzeitig Studi­um der Kalligraphie

                      im Meisteratelier von Prof. Ernst Schneidler in Stuttgart

1928-1930     Reisen, Aufenthalt und Studien in London und Paris

1931-1933     Aufenthalt in Ägypten und Griechenland. Herausgabe einer

                      “Deutschen Zeitung“, zusammen mit dem jüdi­schen Deutschen

                      Klaus Vrieslander, der später als ver­meintlicher Agent Deutschlands

                      in Griechenland erschossen wurde.

          1933    Auf Betreiben der Deutschen Botschaft in Athen unge­wollte

                      Rückkehr nach Deutschland

1933-1939     Überwachtes Malverbot durch die Reichskulturkam­

                      mer, deshalb Wohnverbot (“ex etters“) auf der Ach­

                      alm: Arbeit als Zeitungsausträger, Müllentsorger für

                      jüdische Mitbürger und Hilfsarbeiter in Reutlingen

          1938    “Verdeckte“ Ausstellung durch die Galerie Valentien,

                      Stuttgart. Titel: “Junge ägyptische Volkskunst“

1940-1945     Soldat, in den letzten Kriegsjahren im Elsaß stationiert

                      (Hagenau)

                      In den Kriegsjahren gewann Grieshaber im Elsaß Freun­

                      de unter der R~sistance, die ihm bei der Herausgabe

                      der Drucke der “presse clandestine Haguenau“ halfen

                      (“Plastische Meditationen“, 1943). “Der Baron und die

                      Gestapo - Tagebuch eines Offiziers“, 1944, konnte

                      nicht mehr erscheinen, nachdem Grieshaber, von einer

                      bevorstehenden Razzia verständigt, die Fahnenabzüge

                      mit allen Unterlagen vernichtet hatte.

1945-1947     Kriegsgefangenschaft in Heilbronn. US-Truppen ver­

                      kaufen ihn ins abgesoffene Kohlebergwerk nach Mons/

                      Belgien. Von “Kameraden“ in ein Faß genagelt und

                      ans Wasser gerollt, befreien ihn Freunde aus dem fran­

                      zösischen Widerstand, die von seiner ersten Nach­

                      kriegsstreikaktion im Bergwerk gehört hatten. Er wird

                      zusammen mit tonnenschweren Ballen Zeitungspapier

                      als Herausgeber der ersten Reutlinger Nachkriegszei­

                      tung “Weltwoche“ in den Zug gesetzt.

                      Rückkehr auf die Achalm uber Reutlingen.

                      In der ersten Nachkriegs-Handpresse, der “Eidos-Presse“­

                      des Verlegers Heinrich F. C. Hannsmann, erscheinen

                      die Folgen „Tagröte“ (Originalfarblithografien) und

                      (typogräfische) Gestaltungen für die Künstlerkollegen

                      Ackermann, Baumeister, Eichhorn, Schlemmer, Trökes

                      u .a.

 

          1950    Neugründung Dt. Künstlerbund - Teilnahme

1951 -1953    Lehrer an der “Bernsteinschule“ über Sulz am Neckar,

                      “Bernsteindrucke“. Kunstpreis “Junger Westen“, Reck­linghausen

          1954    Ausstellungen Württ. Kunstverein; Kestner-Gesellschaft

                      Hannover

          1955    Berufung an die Kunstakademie Karlsruhe als Nachfol­ger Erich Heckels

          1956    Berufung an die Akademie der Künste, Berlin, und in            den Deutschen Kunstrat

          1957    Oberschwäbischer Kunstpreis

1958-1967     Gesamt- und Einzelausstellungen in Deutschland

                      (Documenta 1 und II), der DDR, CSSR, Italien (Biennale

                      Venedig) und Neuseeland. Stedelijk-Museum Amster­dam;

                      Kunstverein München; “Hommage ä Werkmann“; “Achalm-Drucke“

          1959    Le Prix de l‘Union des Entreprises typographiques de

                      Yougoslavie. III. Exposition Internationale de Gravure ä

                      Ljubljana; Venedig; Amsterdam

          1960    Unter Protest, wegen eines Streits um die Auslegung

                      der Prüfungsordnung zugunsten seiner zur künstleri­

                      schen Selbständigkeit hingeführten Studenten: Nieder­

                      legung des Lehramts an der Kunstakademie Karlsruhe

          1961    Galerie Schmücking und TH in Braunschweig; Gelsen­

                      kirchen; Wuppertal. Arbeit an “Feuervogel“ in Heidel­

                      berg; Preis Stadt Darmstadt.

          1962    Cornelius-Preis der Stadt Düsseldorf

          1964    Documenta III Kassel; Internationale Zeichnung Darm­

                      stadt; Kestner-Gesellschaft Hannover

          1965    Holzschnitte zu Orff “Astutuli“, Neruda “Die Höhen

                      von Macchu Picchu“

          1966    Totentanz von Basel — 40 Farbholzschnitte mit mittelal­

                      terlichen Reimen — in Leipzig gedruckt, in Dresden ver­-

                      legt, in beiden Deutschland in vielen Städten als Sym­bol

                      deutscher Gemeinsamkeiten ausgestellt

          1968    Kulturpreis des Deutschen Gewerkschaftbundes. Ehren­

                      diplom der 1. Exposition lnternationale de la Gravure

                      sur bois. “Die rauhe Alb“ — 26 Holzschnitte (Arbeiten

                      von 1936 bis 1968)

          1969    60. Geburtstag: Reutlinger Bürgermedaille. Ehrenbür­ger

                      in Rot a. d. Rot. Museum und Kunstverein Bochum,

                      Braunschweig u. v. a.

          1970    Medalla II Bienal lnternacional del Grabado de Buenos

                      Aires; Preise: Banskä Bystrica/ CSSR; Balthaler Kunst­preis

          1971    1. Dürerpreisträger der Stadt Nürnberg Vietnamkrieg: 9

                      farbige Holzschnitte - “Gespräch über Bäume“. Über

                      Israel und die arabischen Staaten: 32 Linolschnitte

                      “Nun sprechen die Kamele“

          1972    Berufung in das Internationale Komitee der Biennale

                      der Ostseestaaten in Rostock, Ehrensenator Uni Tübingen­,

                      Ausstellungen in Wien, Bregenz, Dublin, Neuchâtel, Sofia

          1973    Staatsmuseum Luxemburg; 5. Ostsee-Biennale Rostock

          1974    65. Geburtstag: Ausstellungen u. a. in München, Reut­

                      lingen, Rostock, Neubrandenburg. Dt. Plakat-/Folk­

                      wang-Museum Essen (artinform)

          1975    Auszeichnung mit der Goldmedaille der Internationalen

                      Buchkunst-Ausstellung in Moskau (für seine 1973 ent­

                      standenen 18 Farbholzschnitte “Aufenthalt auf Erden“

                      zu Texten von Pablo Neruda)

          1976    Stiftung des Jerg-Ratgeb-Preises in der Thomas-Münt­

                      zer-Scheuer (TMS), Uni Hohenheim, “Für Freiheit der

                      Kunst und für Gewaltlosigkeit im Kampf um mehr

                      Menschlichkeit“

          1977    Reise nach Athen nach dem Sturz der Obristen-Junta

                      und Ausstellung “Mahnbilder für Freiheit und Men­

                      schenrechte“, Rath‘aus Athen; Ratgeb-Preis an R. Hof­

                      lehner im Mannheimer Nationaltheater mit “Theater“-

                      Ausstellung von Grieshaber; Mexiko-Ausstellung

                      (Institut für Auslandsbeziehungen, Stuttgart, D. Han­

                      nemann); Teilnahme an der Internationalen Buchkunst­

                      Ausstellung in Leipzig

          1978    Wahl zum korrespondierenden Mitglied der Akademie

                      der Künste der DDR. Mitglied der Lukas-Gilde Antwer­

                      pen; Ausstellungen in Rostock, Magdeburg, Leipzig,

                      Dresden, Ost-Berlin; Gutenbergpreis der Stadt Leipzig.

                      Staatl. Kunsthalle Berlin (D. Ruckhaberle)

          1979    70. Geburtstag

                      Große Grieshaber-Retrospektiven in vielen Museen des

                      In- und Auslandes. Preis Buchkunstausstellung Tel Aviv

                      für “Der betroffene Zeitgenosse“

          1980    Konstanzer Kunstpreis. Griechenland-Arbeiten im Süd­

                      westfunk Baden-Baden (artinform-Ausstellung)

          1981    Tod am 12. Mai auf der Achalm

 

Impressum

HAP Grieshaber “Rückkehr in die Freiheit— Politik mit Bildern“

Der Katalog erscheint anläßlich der gleichnamigen Ausstellung

in der Konrad-Adenauer-Stiftung in Sankt Augustin.

Auflage 500 Exemplare        

Herausgegeben von der Konrad-Adenauer-Stiftung

im Auftrag von   Dr. Günther Rüther/Bereich Politische Bildung

Schloß Eichho!z, PF 1331, 5Ö387 Wesseling

 

Ausstellungsorganisation:

Hauptabteilung Kultur der Konrad-Adenauer-Stiftung

Dr. Daniela Tandecki

Photo-Ektachrome:

Heinz Pelz, Karlsruhe

Archiv-Photodokumentation:

Hans-Günter Hedden, Karlsruhe

Werner Schloske, Stuttgart

Stefan Wittmann, Heidenheim Grafik-Design Plakat:

Herbert Papala Werbung, Karlsruhe

Druck Plakat:

Hermann Roth Druck und Verlags-GmbH, Eschbach

Visualisation, Satz und Repro:

TextBild GmbH, Karlsruhe

Druck Katalog:

Heinz W. Holler Druck und Verlag GmbH, Karlsruhe

Wir danken den Leihgebern:

Thomas Aichelmann

Dr. Reinhold Aßfalg

Bundesverfassungsgericht, Karlsruhe

Galerie Degeler, Karlsruhe

Günter Giert

Margarete Hannsmann

Michael Janitzki

Eva Knauer

Dr. Albert Miller

Galerie Schmücking, Braunschweig Copyright

Abbildungen: VG Bild-Kunst, Bonn, 1994

Texte: bei den Autoren und Verlagen Katalogredaktion, Ausstellungskonzeption:

Cornelius Hannsmann, artinform, Karlsruhe

 

Umschlaggestaltung seitenverkehrt nach HAP Grieshaber:

“Holbein, der Lord und der König“

 

 

Aus Krähen Adler machen

Zum 100. Geburtstag des Künstlers HAP Grieshaber

 

Don Quichotte war einer der Decknamen von HAP Grieshaber. Unbeirrt — wie der Rit­ter von der traurigen Gestalt — ging er seinen Weg und sorgte dafür, dass ein Farbholzschnitt nicht mehr nur Grafik war, sondern ein eigenständiges Bild. Kaum ein figurativ arbeitender Nachkriegskünstler war so populär und ist dann so gründlich wieder in Vergessenheit geraten. Warum? Weil der Holz-schneider von der Schwäbischen Alb den Kunstmarkt umschiffte, indem er Dichtern wie Margarete Hamismann, Stephan Hermlin oder Pablo Neruda die Bücher illustrierte? Weil er Solidaritätsplakate für Protestbewegungen in Chile, Kuba und Griechenland schuf?

Landauf, landab finden Ausstellungen zum 100. Geburtstag von HAP Grieshaber statt. In Münster, in Bochum, in Bonn, in Mainz und natürlich in Reutlingen, wo der Holzschnittkünstler auf der sagenumwobenen Achalm wohnte. Auch die Städtische Galerie Karlsruhe hat erst 2003 das Schaffen des einstigen Karlsruher Akademielehrers aufgegriffen und dessen Arbeiten mit denen seiner Schüler Horst Antes, Lothar Quinte und Walter Stöhrer gezeigt. Obwohl also schon alles gesagt zu sein scheint über den Grafiker, lohnt es sich dennoch diese singuläre Gestalt genauer an­zusehen. Im Kupferstichkabinett der Karlsruher Kunsthalle liegt beispielsweise ein Druck aus dem Jahre 1939, in dem Gestalt und Landschaft noch nicht von den zackigen.Abstraktionen Picassos beeinflusst sind. „Weg‘ heißt das angegriffene Blatt aus stark holzhaltigem Papier, das jetzt restauriert wird. Zu sehen ist ein Paar in der unteren rechten Bildfläche. Ein Abschied ist angedeutet. Wer geht?

Zwischen den Bäumen wächst eine riesige Frauengestalt empor, keine Daphne, eher ein „Engel der Geschichte“.

HAP Grieshaber erzählte nicht nur gern Geschichten anhand von Bildern, er schrieb auch Gedichte und eine eindringliche Prosa, beispielsweise die Geschichtes des Kaufmanns K., der, von den Kriegsverwüstutungen traumatisiert, nur noch zeichnen kann, zeichnen wie die Kinder im Sand, und der die Familie anhält, auch zu zeichnen. Der nahezu surreale Text gehört zu der Mappe „Bernsteinauge“, die er 1952 während seiner Zeit als Lehrer an der Bernsteinschule in Sulz am Neckar schuf:

Die Nähe zur Schrift ist kein Zufall. Der am 15. Februar 1909 in Rot an der Rot geborene Helmut Andreas Paul Grieshaber kam über die Typografie zur Kunst, über die Verehrung Paul Klees, über das Reisen in ferne Länder — nach Agypten, Arabien und Griechenland. Politische Verwicklungen zwangen den jungen Mann 1933 zurück nach Deutschland. Es begann eine 13-jährige Leidenszeit. Auf das Berufsverbot folgten Kriegsdienst und Kriegsgefangenschaft.

Illegal hat er dennoch produziert, als Volkskunst getarnt, etwa die „Reutlinger Drucke“, bei denen Text und Bild auf einem Blatt erschienen.

1947 bezog er sein Refugium, die Achalm bei Reutlingen. Bald spazierten Pfauen über den Hof. Ein Affe kreischte. „Baumblüte“, „Osterritt“, „Hellas“: Die Titel seiner zahlreichen Grafik-Mappen verraten seine Leidenschaft für die Natur und die Tierwelt, die Sehnsucht nach einem Arkadien. Aus Krähen Adler machen, lautete seine Devise. Die Figuren der Bibel und der griechischen Mythologie wurden ihm zu Symbolen für überzeitliche Zustände in einer prosaischen Welt. Jedes Thema vermenschlichte er und transformierte die Aussage ins allgemein Symbolhafte. Grieshaber äußerte 1977 in einem Interview: „Was sollte den Menschen anderes bewegen als er selbst, er sich selbst, womit er damit er damit auch alle anderen meint.“ Wenn unter Künstlern das Gespräch auf  HAP Grieshaber kommt, heißt es oft, er sei ein genialer Lehrer gewesen. Als Professor kämmte er die Tradition gegen den Strich: „Kunst setzt voraus, dass wir nicht wissen, was eine Aktzeichnung ist. Sie bringt uns erst dieses Wissen.“ Mit dieser Haltung konnte er sich in der Karlsruher Akademie nicht durchsetzen, wo er 1960 —  nach fünf Jahren Aktionismus —  das Handtuch warf.

Mit seinen Hölzschnitten zum „Totentanz von Basel“ gelang ihm Mitte der 1960er Jahre eine Art Comeback. Das Buch erschien 1961 zeitgleich in der Bundesrepublik und in der DDR. Mit dieser zeitgenössischen 1nterpretation des „Memento mori“ überwand Grieshaber die Spaltung Deutschlands auf seine Weise. 1978 erhielt der mehrfache documenta­Teilnehmer den Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig und wurde korrespondierendes Mitglied der Akademie der DDR. Drei Jahre später starb der rastlose Künstler, der sich der Freiheit der Kunst genauso verpflichtet fühlte wie der politischen Freiheit.                          

Carmela Thiele

 

 

Tagebuch  Sonntag, 15. Februar 2009

 

Ein „fehlerhafter“ Nachruf …

 

… erschienen u.a. in der Bruchsaler Zeitung, Brettener Zeitung, Pforzheimer Nachrichten, Acher- Bühlerbote und BNN Karlsruhe.  Zwölf Jahre zuvor hatte ich in der vom „Architekten Allahs“ gebauten Stuttgarter Galerie (zerstört) Camina Burana (Orff) und „Grob, fein & göttlich“-Andrucke zeigen können.

Bildunterschrift: HAP Grieshaber, geboren 1909 in Rot a.d. Rot in Oberschwaben, ist in seinem Domizil auf der Achalm gestorben.                                                 Foto: dpa

 

Bericht in den Badischen Neuesten Nachrichten, 14. Mai 1981:

 

Drucken – gegen das Unrecht auf der Welt

Zum Tode von Helmut Andreas Paul Grieshaber

 

Seine letzten Lebenstage wollte er auf der Achalm zubringen. Von der Intensivstation des Reutlinger Krankenhauses ließ sich He1mut Andreas Paul Grieshaber, herz- und lungenkrank, vor fast drei Wochen zurückbringen zu seinem geliebten Berg. Von hier aus hatte er sich immer ins Tal hinunterbegeben, wenn er glaubte, mit seiner Kunst die Menschen wachrütteln zu müs­sen. Wie berichtet, starb am Dienstagabend der Künstler, Ho1zschneider, Maler, Schriftsteller und Pädagoge HAP Grieshaber im Alter von 72 Jahren.

 

Mit dem Einfluss der Fauves von Gauguin bis Matisse, der Expressionisten, Max Beckmanns, vielleicht Kirchners, mit Munch und den Japa­nern ist wenig von der Formensprache Grieshabers erkIärt, meint Walter Warnach, wenn er auf die monumentale Verspannung der Liniengerüste verweist, die Kühle und metaphorische Kühnheit der Aussparungen, den heraldischen Sinn der Farben, das Geheimnis seiner Raumlosigkeit, die uns schon in den frühen Blättern Grieshabers erstaune. Seine Mythensprache sei die denkbar einfachste. Die Formen seien wie aus dem menschlichen Urbewußtsein ge­stanzt. Die Linien folgen den schwer bestimmbaren Gesetzen der Metamorphose vom Vegetativen zum Animalischen, zum Menschlichen und wieder zurück vom menschlichen Gliedmaß zur Pranke, zur Ast, zum Blatt.

 

Faust in allem gegenwärtig: Grieshaber mag in dem Jahr seines frühen Griechenland-aufenthaltes (1932) gelernt haben, daß für die Griechen die wildeste Klage wie der Zeugungstaumel noch vorn Logos durchweht sind. Warum sollte nicht einem Mann unseres angefochtenen Zeitalters gewährt sein, diese kosmische Intelligenz wenigstens in der Kunst zu bezeugen?, fragt Warnach. Im Mittelpunkt serner Kunst stand das 24bändige  Mappenwerk .‚Engel der Ge­schichte“ gleichbedeutend neben den großen Holzschnittfolgen der Kreuzwege (Auschwitz und Bruchsaal, des Totentanzes. Männerwald/Areopag, Sintflut, Weltgericht, Sturmbock. Zu „enge“ sagte Grieshaber u.a.: „Der ‚engel‘ (wer will, kann statt ,Engel’ sagen: la fantasie prend le pouvoir) ist immer eine Aktion, besser noch: Lob der Initiative. Die Kunst hat Jedesmal vom Kampf um die Sache was gehabt. Je intensiver der Künstler an seinem Werk arbeitet, desto weniger ist für direkte Aktionen da. Zu dieser Zeit ist, was er macht, Kunst oder es existiert nicht. Aber es sind seltene Momente, wo er diese~ Freihei hat, im Grunde ist er nur ein sehr betroffener Zeitgenosse. Der Anlaß, etwas zu machen, die Sache, muß einem eben ,unter Händen’ gekommen sein.“

 

Für Grieshaber war das Drucken nicht nur „ein Abenteuer“, wie einer seiner rund 450 mit-gestalteten Buchtitel heißt. In den „Engeln“ kämpfte er gegen Militärdikaturen in Griechenland, wofür ihn der griechische Staat vor vler Jahren mit einem Empfang und einer Ausstellung ehrte, genau so wie in Chile, wo das Haus seines Freundes Pablo Neruda samt seiner Bilder zerstört worden ist. Er half Autoren wie Böll auf dem Weg zum Erfolg und hielt die Kontakte zu den Autoren der DDR wie Stefan Hermlin, Franz Fühmann, Sarah Kirsch, Malern wie Tübke und Heisig. Als Biennale-Kommisar in Rostock stellte er Friedländer und Antes, Genkinger und Dietrich vor.  Auf über 300 Plakaten („Rettet die Alb“, „Stop dem Walfang“) gegen Unrecht und Diktatur, gegen Folter und für Gefangene, die schuldig geworden sind, wach bleiben.

Er war Mitinitiator des Verbandes deutscher Schriftsteller, schrieb Gedichte. In der Bernstein-Schule führte er Entwurzelte, junge Menschen, in die Kunst ein, und als Nachfolger Heckels auf dem Karlsruher Akademielehrstuhl förderte er wie kein anderer Künstler als Pädagoge die meisten Talente, die je ein Lehrer hatte: Stöhrer, Schanz, Reichart, Antes, Denkinger, Quinte, Rottloff, Szymanski, Ehrhardt, um nur einige zu nennen. Im Streit war er von Karlsruhe geschieden, als im Zuge der Verschulungspolitik des Kulturminis-teriums eine Schülerarbeit als nicht prüfungswürdig abgelehnt worden war.

Als Staatsfeind hatte er von 1933 bis 1945 nicht „ex etters“ auf der Achalm wohnen dürfen. Zeitungsausträger und Hilfsarbeiter, Müllkutscher war HAP Grieshaber damals. Trotz seiner Mitarbeit an Widerstandsdrucken im Elsaß hatte man ihn nach Kriegsende als Gefangenen in einem Bergwerk schuften lassen; weil er als Verleger einer ersten Nachkriegszeitung für seine bedrückten Landsleute eingesetzt hatte, die Lizenz entzogen.

Für sein Werk wurde Grieshaber mit dem Kulturpreis des DBG ausgezeichnet. Er blieb der einzige Dürerpreisträger. Leipzig ehrte ihn mit dem Gutenbergpreis. Kein anderer Künstler aus der Bundesrepublik wird nach ihm die selben Möglichkeiten besitzten, ohne Kulturverträge so etwas wie das gemeinsame kulturelle Erbe beider Teile Deutschlands durch Verknüpfungen zu aktualisieren („Bauerkriege“). Seine Bilder hängen in den Museen der Welt, im Europäischen Gerichtshof, im Verteidigungsausschuß in Bonn („Weltgericht“). Den Holzstock des deutschen Adlers zeigt die Eingangshalle des Bundesverfas-sungsgerichts. Gastarbeiter und Studenten, Kinder in Not und Behinderte, Bürgerinitiativen und  Naturschützer haben  einen Anwalt  weniger.                                                                          Cornelius Hannsmann

 

 

 

 

Tagebuch  Montag, 16. Februar 2009

 

Die zweite und die dritte Ausstellung in Aalen – Sammlung Wagenplast.

 

Ein Genie der Versöhnung

Aalen würdigt HAP Grieshaber: Eröffnung der Ausstellung im Rathaus und in der Galerie der Kreissparkasse

Warensendung Maxi“. Auf diese Post-Leistung ist HAP Grieshaber zugeschnitten - kostenmäßig: in Gestalt einer Briefmarke im Wert von 1,65 Euro. Die Miniatur ehrt jenen großen Künstler, über den Prof. Dr. Hermann Bausinger sagt, er sei „schon zu Lebzeiten der angesehenste Holzschneider des 20. Jahrhunderts“ gewesen. Eine klare Würdigung zur Eröffnung einer weiteren Grieshaber-Ausstellung in Aalen: in den Galerien von Rathaus und Kreissparkasse.


PETER A. ZDANSKY

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Prof. Dr. Hermann Bausinger (li.) im Gespräch

mit dem Aalener Buchhändler Gernot Jahn.

In der Galerie im Aalener Rathaus ist eine Ausstellung mit Werken HAP Grieshabers eröffnet worden. Sie wird bis 12. Mai zu sehen sein. (Fotos: Eva Gaida)

Nach dem Auftakt in Aalens Stadtbibliothek, wo seit einigen Tagen Grieshaber in Begegnung mit der Lyrik Margarete Hannsmanns zu erleben ist, nun eine Doppelschau. Sie ist gestern (exakt an Grieshabers 100. Geburtstag) eröffnet worden - mit einem Sonderpostamt, das im Rathaus den nicht nur philatelistisch reizvollen HAP angepriesen hat: Die Marke zeigt den „Feuervogel“ - eine 1961 entstandene Arbeit des nonkonformistischen Geistes, über den im rappelvollen kleinen Sitzungssaal Kulturbürgermeister Wolf-Dietrich Fehrenbacher, Johannes Werner (Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Ostalb) und der in Aalen geborene Kulturwissenschaftler Hermann Bausinger sprechen.
So zieht Fehrenbacher seinen Hut vor einem „engagierten Künstler“, der sich stets eingemischt habe, und verweist auf Grieshabers Plakat „Demokraten wählen“: Heutzutage fehle es an Einmischung – vielleicht „brauchen wir mehr Grieshabers“. Fehrenbachers Dank gilt den Leihgebern, namentlich erwähnt er Gernot Jahn. Und er dankt dem städtischen Ausstellungsmacher Joachim Wagenblast „mit seinen Stärken und Schwächen“: Die Ergebnisse aber seien immer gut – und dies bei „bescheidenen Mitteln“. Auch Werner lobt Wagenblast. Und die Kooperation zwischen Kreissparkasse und Stadt, vor zehn Jahren aus der Taufe gehoben - mit einer Grieshaber-Schau, die allerdings „etwas bescheidener“ gewesen sei.
Die jetzige Ausstellung „Der Partisan mit der Panflöte“ (sie wird am 21. März im Alten Rathaus fortgesetzt) sei, so Bausinger, mit ihren unterschiedlichen Schauplätzen „etwas Besonderes“: ein verlässlicher Gesamtüberblick, wie man ihn sonst wohl nicht bekomme. Die im Rathaus schwerpunktmäßig thematisierte Kunst als Widerstand rücke Grieshaber in die Nähe C. F. D. Schubarts. Der Titulierung als engagierter Künstler aber habe Grieshaber sich widersetzt: Widerständigkeit in der Kunst sei für ihn selbstverständlich gewesen. Widerstand geleistet habe Grieshaber gegen herrschende ästhetische Erziehung ebenso wie gegen Regeln des Kunstmarkts. „Ein Genie der Versöhnung“ sei er in seinem künstlerischen Tun gewesen, dessen Geheimnis darin liegen dürfte, dass er im „Rausch des Machens“ die Kontrolle darüber behalten habe. - Die Doppelausstellung endet am 12. Mai - an Grieshabers Todestag.

 Info In der Rathausgalerie (Dienstag bis Sonntag 14 bis 17 Uhr) und der Galerie der Kreissparkasse (Montag bis Freitag 8.30 bis 17 Uhr, Donnerstag bis 18 Uhr). Geschlossen an Karfreitag und Ostersonntag.

© Schwäbische Post 16.02.2009

 

 

 

 

Aus den Aalener Nachrichten:

 

"Wir ehren einen großen Künstler"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


AALEN (kul) "Nur die Künstler schweben noch frei", dichtete einst der Holzschneider HAP Grieshaber, um ein Leben lang danach zu leben. Zu seinem 100. Geburtstag hat die Stadt Aalen zur Ausstellung "Der Partisan mit der Panflöte" in die Rathaus-Galerie und in die Räume der Kreissparkasse Ostalb geladen.

Der Kleine Sitzungssaal war zu knapp bemessen, um den Besucherandrang zu bewältigen. In "Wir ehren einen großen Künstler", sah Bürgermeister Wolf-Dietrich Fehrenbacher den Grund dafür. Und in der Tat, -Helmut Andreas Paul, kurz HAP, Grieshaber gehört zu den bundesweit berühmtesten Zeitzeugen des 20. Jahrhunderts, der nicht nur für die Kunst Herausragendes leistete, sondern sich immer in gesellschaftliche und politische Konflikte einmischte. Bis zu seinem Tod 1981 galt er als streitbarer Geist, seine Kunstwerke wirken in diesem Sinne zeitlos auch ins 21. Jahrhundert hinein.

Grieshaber verstand sich als Demokrat, der zur Erinnerung aufrief: An die Bauernaufstände des 16. Jahrhunderts, die 1848er Revolution, die Nazidiktatur. Er wandte sich in seinen Arbeiten gegen alle Militärjuntas der Welt, ob in Chile oder Griechenland. Der deutsch-deutschen Nachkriegswirklichkeit versetzte er mit künstlerischen Mitteln Nadelstiche. Er unterstützte aktiv Protestbewegungen, selbst in hohem Alter plakatierte er noch für die Antiatomkraftbewegung. Grieshaber führte ein unstetes Leben, das sich in seiner Kunst widerspiegelt. "Unser Land braucht Menschen wie ihn, um die Demokratie zu schützen", kommentierte Bürgermeister Fehrenbacher.

Der weitreichenden Bedeutung wegen sind dem Künstler gleich vier Ausstellungen gewidmet: Eine bereits vergangene Woche in der Stadtbibliothek eröffnete, die jetzige in der Rathausgalerie, eine in der Kreissparkasse Ostalb und kommenden Monat eine Grieshaber-Schau in der Galerie im Alten Rathaus.

 

Prof. Helmut Bausinger führte bei der Ausstellungseröffnung in das Leben und Wirken des großen Holzschneiders ein. Grieshaber habe es geliebt, die Schwäbische Alb, Liebespaare, Tiere, religiöse und mythologische Themen im politischen, sozialen und ökologischen Kontext in Holzplatten zu schneiden, so Bausinger. Beispielhaft dafür sind in der Ausstellung aus dem Hauptwerk "Totentanz von Basel" vier Blätter zu sehen. Grieshaber umschrieb sie als einen "Strauß verschiedenartiger Leiden: sie lebten, sie litten, sie starben". Dabei erinnern insbesondere seine politischen Arbeiten an spätmittelalterliche Flugschriften. Sie lagen dem Künstler besonders am Herzen, wirken sie doch in prägnanter Form als Aufrufe und Meinungsmacher.

AALEN (kul) "Nur die Künstler schweben noch frei", dichtete einst der Holzschneider HAP Grieshaber, um ein Leben lang danach zu leben. Zu seinem 100. Geburtstag hat die Stadt Aalen zur Ausstellung "Der Partisan mit der Panflöte" in die Rathaus-Galerie und in die Räume der Kreissparkasse Ostalb geladen.

Der Kleine Sitzungssaal war zu knapp bemessen, um den Besucherandrang zu bewältigen. In "Wir ehren einen großen Künstler", sah Bürgermeister Wolf-Dietrich Fehrenbacher den Grund dafür. Und in der Tat, -Helmut Andreas Paul, kurz HAP, Grieshaber gehört zu den bundesweit berühmtesten Zeitzeugen des 20. Jahrhunderts, der nicht nur für die Kunst Herausragendes leistete, sondern sich immer in gesellschaftliche und politische Konflikte einmischte. Bis zu seinem Tod 1981 galt er als streitbarer Geist, seine Kunstwerke wirken in diesem Sinne zeitlos auch ins 21. Jahrhundert hinein.

Grieshaber verstand sich als Demokrat, der zur Erinnerung aufrief: An die Bauernaufstände des 16. Jahrhunderts, die 1848er Revolution, die Nazidiktatur. Er wandte sich in seinen Arbeiten gegen alle Militärjuntas der Welt, ob in Chile oder Griechenland. Der deutsch-deutschen Nachkriegswirklichkeit versetzte er mit künstlerischen Mitteln Nadelstiche. Er unterstützte aktiv Protestbewegungen, selbst in hohem Alter plakatierte er noch für die Antiatomkraftbewegung. Grieshaber führte ein unstetes Leben, das sich in seiner Kunst widerspiegelt. "Unser Land braucht Menschen wie ihn, um die Demokratie zu schützen", kommentierte Bürgermeister Fehrenbacher.

Der weitreichenden Bedeutung wegen sind dem Künstler gleich vier Ausstellungen gewidmet: Eine bereits vergangene Woche in der Stadtbibliothek eröffnete, die jetzige in der Rathausgalerie, eine in der Kreissparkasse Ostalb und kommenden Monat eine Grieshaber-Schau in der Galerie im Alten Rathaus.

Prof. Helmut Bausinger führte bei der Ausstellungseröffnung in das Leben und Wirken des großen Holzschneiders ein. Grieshaber habe es geliebt, die Schwäbische Alb, Liebespaare, Tiere, religiöse und mythologische Themen im politischen, sozialen und ökologischen Kontext in Holzplatten zu schneiden, so Bausinger. Beispielhaft dafür sind in der Ausstellung aus dem Hauptwerk "Totentanz von Basel" vier Blätter zu sehen. Grieshaber umschrieb sie als einen "Strauß verschiedenartiger Leiden: sie lebten, sie litten, sie starben". Dabei erinnern insbesondere seine politischen Arbeiten an spätmittelalterliche Flugschriften. Sie lagen dem Künstler besonders am Herzen, wirken sie doch in prägnanter Form als Aufrufe und Meinungsmacher.

(Erschienen: 16.02.2009)

 

 

Tagebuch  Dienstag, 17. Februar 2009

 

Die grausige Geschichte mit

den Schwägerinnen und dem Schwiegervater Grieshaber.

 

 

 

 

 

Tagebuch  Freitag, 06. März 2009

 

HAP Grieshaber in der KuGel

 

 

Aus dem Bericht der BNN, Badischen Neuesten Nachrichten: „Ergänzt wird die Schau mit grafischen Buch- und Mappenwerken, die Grieshaber für seine und mit seiner langjährigen Lebensge­fährtin, der Lyrikerin Margarete Hannsmann, geschaffen hat. Ein Film wird einen Einblick in den Arbeitsalltag des Künstlers geben und auch Werke seiner Freunde und Schüler mit so illustren Namen wie Pablo Picasso oder Horst Antes werden zu sehen sein. Wer mehr über HAP Grieshaber, der vor Kurzem 100 gewor­den wäre, erfahren möchte, für den steht ein Büchertisch bereit.

Zu verdanken hat die „KuGel“ die Ausstel­lung Cornelius Hannsmann, dem Sohn der Grieshaber-Lebensgefährtin, der in Linkenheim lebt. „Aus Verbundenheit zu uns hat er sich dafür eingesetzt, dass wir die Ausstellung bekommen“, sagt Maria Lange. Linkenheim reiht sich damit in eine Reihe von hochkaräti­gen Ausstellungsorten wie Berlin, Worpswede und Reutlingen ein.“

Die Ausstellung wird am Samstag, den 14. März eröffnet.

 

 

 

Tagebuch  für Palmsonntag 2009 –

mit den Fildern vielfach verbunden:

Hundert Holzschnitte zum 100. Geburtstag

Zum 4. Mal beim Kunstverein Filderstadt

Zum anschauen / laden der Einladungskarte in besserer Auflösung klicken Sie bitte hier.

 

 Filderstadt. Der frühere Oberbürger­meister von Filderstadt, Dr. Peter Bümlein, eröffnet am kommenden Palmsonntag um 15 Uhr im Kunstverein Filderstadt in der Uhlberghalle in Bonlanden eine der hundert Veranstaltungen und Ausstellungen zum 100. Geburtstag von HAP Grieshaber. Im letzten Vierteljahrhundert hatte man sechs Mal Gelegenheit, einige Werke des Meisters von der Achalm in Filderstadt zu sehen, davon jetzt zum vierten Male  im Kunstverein.

Ein grosser Teil der rund hundert Werke handel auch von den Holzschnitten für Bücher seiner langjährigen Lebensgefährtin Margarete Hannsmann, die am 10. Februar 88. Jahre alt geworden wäre. Sie hat mit Böll und Neruda, mit Günther Eich und Jannis Ritsos, mit Orff und Theodorakis im Dichterhaus zur Schillereiche 23 in Stuttgart in zahlreichen Gemeinschafts­publikationen mit Grieshaber zusammengewirkt.

  Lesungen fanden in Bernhausen und Plattenhardt (Mörike zu Ehren), in Vaihingen und im Rathaus Echterdingen, in Ruit und in der Universität Hohenheim statt.

  Etwa zwanzig Buchobjekte, die sie alleine verfasste, sind mit Grieshabers Holzschnitten, aber auch mit Werken von anderen bekannten Künstlern (K.O. Götz, Antes zum Zyklus „Rettet die Alb jetzt – Sonderband für die Ostsee­biennale Rostock – usw.) erschienen.

Ihre Lesungen führten die Lyrikerin Margarete Hannsmann  auch nach Möhringen, wo im Verlag der „manus-Presse“ die „Engel der Geschichte“ Grieshabers bis zur Ausgabe 13 erschienen. Rezensionen von Naturtheatern im Süddeutschen Rundfunk – zusammen mit dem späteren Vorsitzenden des Verbandes deutscher Schriftsteller und Vorstandsmitglied des PEN-Zentrums (mit Margarete Hannsmann) -  führten sie auch nach Stetten. Ausserdem erschienen auf den Fildern bei den Verlagen Dr. Walter Cantz und Gerd Hatje zahlreiche Werke über Grieshaber.

Übersetzungen der Texte von Margarete Hannsmann erschienen in griechisch, französich, englisch, italienisch und hebräisch. Lesungen fanden in den Goetheinstituten und Universitäten von Saloniki bis Tel Aviv.

 

„Ratgeb-Preis“ Hohenheim und „Tagröte“ in Rohr.

 

Die Aktivitäten von Grieshaber und Hannsmann an vielen Universitäten erfuhren mit dem „Ratgeb-Preis“, der heute als „Grieshaber-Preis“ verliehen wird und der mit dem DGB und einer AStA-Ausstellung an der Uni Hohenheim von Grieshaber gestiftet worden war, einen Höhepunkt.

In Neuhausen wurden die Holzstöcke zum „Areopag“ für das Grand Palais in Luxemburg durch Linus Bayer und Franz Feinauer zusammengesetzt und später montiert.

In Rohr wurde in der damaligen Waldstraße 21 die erste Mappe Grieshabers mit Farblithographien zur „Tagröte“, erschienen in der „Eidos-Presse“ , von Grieshabers erstem Verlager Heinrich F.C. Hannsmann 1947 zusammengestellt (heute im Besitz der Staatsgalerie Stuttgart).

Die Konstruktion für die Untertürkheimer Altarwand zur „Josephs-Legende“ wurde ebenfalls in Neuhausen erprobt. Die grösste Resonanz jedoch erfuhren beide Künstler als „Ur-Grüne“ in Wyhl, wo vierzehntausend Zuhörer Gedichte von Margarete Hannsmann zum Bauerkrieg und in der Verknüpfung zur AKW-Bewegung hörten.

Die Holzschnitte zu den Themen Bauernkrieg, Stop dem Walfang, Psychiatrie, Rettet die Alb jetzt, Attentat 1964 auf Kölner Schule, Behinderte, Studenten, zu Griechenland, zu Chile und vielem anderen sind durch die Leihgaben von fünf Sammlern auf den Fildern belegt.

Fünf Fernsehfilme zum 100. Geburtstag Grieshabers, seine Bücher über Dürer, Picasso, die Gothik und die menschliche Figur nach ihrer grotesken Fehlinterpretation im Drittten Reich, sind weitere Bestandteile der Ausstellungsdokumentation in Bild und Text Grieshabers.

Die Ausstellung ist mit dem Teil 1 bis einschließlich Sonntag, 3. Mai, Freitags bis Sonntags sowie Ostermontag und 1. Mai von 15 bis 18 Uhr geöffnet.                                                                                                                                       Cornelius Hannsmann

 

 

 

 

Tagebuch Mittwoch, 10. Juni 2009

 

HAP und Karlsruhe

Aus Anlass der Ausstellungseröffnung HAP Grieshaber, Städt. Klinikum Karlsruhe

 

An dem Tag, an dem der Nachruf von Cornelius Hannsmann in den Badischen Neuesten Nachrichten erschienen war, fragte der Autor den Akademierektor, ob bei der Beerdigung jemand zugegen sei. Die Antwort lautete schlicht: Warum sollte!

So war der Freund Grieshabers und Mitstreiter in der sogenannten Karlsruher Neuen Figuration, Professor Loth, nur privat mit zur Beerdigung nach Eningen gefahren.

So zwiespältig wie beim Tod misslang vieles im Verhältnis zwischen Grieshaber und Karlsruhe. Als Nachfolger Heckels hatte er vom Bernstein zwei Schüler mitgebracht: Quinte und Schanz. Mit Quinte bemalte er einen Bauzaun. Der Hochbaubeamte, der für die Akademie zuständig war, verlangte die Entfernung der „Schmiererei“. Grieshaber revanchierte sich mit einem Marionettenspiel, so dass der staatliche Architekt den ihm gebührenden roten Kopf bekam. Die positivsten Erlebnisse waren die Ausstellungen im Oberrheinischen Dichtermuseum mit Autoren aus Ost und West, von Neruda bis Böll, die Zusammenarbeit mit Margarete Hannsmann, Franz Fühmann  und anderen PEN-Club-Angehörigen. Grieshaber selbst war ein hervorragender Autor. Das belegen seine Texte über Dürer – er war der erste Dürer-Preisträger - , über die Gotik, über Ensor und Picasso, über Psychiatrie und Landschaftszerstörung, über Tierschutz und Amokläufer, etwa 1964 in Köln.

Aus dem berühmten Zyklus „Areopag“, dessen Holzstöcke im Grand Palais des Europäischen Gerichtshofes hängen, hatte Karlsruhe gelegentlich zwei oder drei Beispiele ausgestellt, obwohl sie vollständig vorhanden sind. Vor einigen Jahren beschaffte man sich lieber Leihgaben aus Stuttgart ohne die Stifter auch nur in der Ausstellung zu erwähnen.

Die Büchergilde Gutenberg und die Sparkasse Karlsruhe zeigten wiederholt Werke des Holzschneiders und seiner Schüler. Im städtischen Zoo hieß es sogar: „Tiere, Fabeltiere, Halbgötter“:

Die Buchhandlungen aus der Gruppe Kellner veranstalteten zahlreiche Lesungen und Ausstellungen über ein Viertel Jahrhundert hinweg.

In der Hofkirche in Bruchsal hängen die Holzstöcke zum grossen Kreuzweg der Versöhnung mit Polen. Abzüge davon sind in der Sühnekirche Ausschwitz und waren zusätzlich im Rahmen einer Ausstellung des Landes Baden-Württemberg in Warschau im Diözesanmuseum unter der Ägide von Kardinalprimas Glemp zu sehen. Zusammengestellt von Cornelius Hannsmann.

In Spessart bei Ettlingen hängt in St. Antonius der kleinere polnische Kreuzweg mit 14 Stationen, in Pforzheim sind im Rathaus die Riesenformate zum Bauernkrieg präsent. Nur Karlsruhe ist mit Ausnahme der Hautklinik zu Grieshaber in diesem Jahr recht stiefmütterlich. Umso mehr freut es, dass einige Stationen des Künstlers heute hiermit aufgerufen werden konnten, wenn man von der viele-Millionen umfassenden Auflage der Sonderbriefmarke der Deutschen Post zum Thema Feuervogel (Stravinski) und der großartigen Ausstellung in der EnBW absieht. Sie ist im Anschluss im Wasserschloss Glatt und im Schloss Insy zu sehen.

 

 

 

 

Trotz alledem!

 

"Ein Künstler wird observiert"

Lesung mit Cornelius Hannsmann

 

„Malgré tout!“ war das Motto HAP Grieshabers. Aus Anlass seines 100. Geburtstages berichtet C. Hannsmann mit Bildern über ein neues Buch-Projekt „Das Dichterhaus“,  Holzschnitte für Böll, Neruda, Margarete Hannsmann u.a., den Widerstand im Kraichgau und Elsaß, z.B. Raban G. v. Ravensburg, die Geheim­presse in Haguenau und - Karlsruhe.

 

 

 

Tagebuch

Samstag, 1. August 2009

Offener Brief von Untergrombach

 

Sehr geehrte Frau Cornelia Petzold-Schick,

 

die Bauern haben keine Landsknechte gedungen, es wäre gegen ihre Ehre gewesen. Seit 34 Jahren weiss jeder Kulturveranstalter in Untergrombach, daß die „Freyheit“ – Fahne zur Verhöhnung der Bauern eingesetzt wurde. Die Spottfahne muss auf der Hausmauer bei der Bundschuh-Scheuer durch einen Bauernkrieger dem Bauernmörder entrissen werden. Bitte veranlassen Sie die ergänzende Bemalung als Korrektur.

 

Mit freundlichen Grüssen

Cornelius Hannsmann

 

 

 

Vorankündigung:

 

Karlsruher Bücherschau 2009

Regierungspräsidium/Landesgewerbeamt, Meidingersaal

Freitag, den 4. 12. 2009, 18 Uhr

 

 

 

ISBN 978-3-923222-08-7 (mens architecturae)

© und ViSdP Verlag mens architecturae und Cornelius Hannsmann

weitere Information bei info@mensarchitecturae.de

 

look at  look ONE Linkenheim

Das Dichterhaus  © Cornelius Hannsmann

 

 

 

 

 

 

 

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